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„Wir müssen den Jungen Visionen aufzeigen“

Am 1. Oktober 2025 begann an der Medizinischen Universität Innsbruck eine neue Senatsperiode mit dem wiedergewählten Senatsvorsitzenden Michael Grimm und seiner Stellvertreterin Verena Labi, die erstmals in diese Funktion gewählt wurde. Wir haben die Spitze des Senats, der als Uni-Parlament vielfältige Aufgaben zu erfüllen hat, zum Interview gebeten. Ihre Kernbotschaften: Visionen schaffen, Nachwuchs fördern, Administration begrenzen, Translation stärken.

Herr Grimm, freuen Sie sich über die Wiederwahl zum Senatsvorsitzenden?

Michael Grimm: Ja, natürlich! Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, den Senat zu leiten und es ist eine Ehre, wenn einem zugetraut wird, die Universität gemeinsam mit anderen Leitungsgremien in ruhige Gewässer zu steuern.

Frau Labi, was hat Sie motiviert, für den stellvertretenden Vorsitz zu kandidieren?

Verena Labi: Meine Wahl kam eigentlich überraschend, umso mehr freut mich das Vertrauen des Senats. Ich habe die Arbeit meiner Vorgängerin Judith Lechner mitverfolgt und sehe die Aufgabe mit großem Respekt.

Am 1. Oktober hat auch ein neues Rektoratsteam seine Arbeit aufgenommen. Welche Erwartungen gehen vom Senat aus?

Grimm: Unsere Erwartungen orientieren sich am intellektuellen Potenzial dieser Universität – und das ist hoch. Gleichzeitig ist die finanzielle Unsicherheit eine große Belastung für die Uni. Dazu kommt eine überbordende Administration – im vorklinischen wie klinischen Bereich. Wir müssen darauf achten, dass die Kernaufgaben Forschung, Lehre und Patient:innenversorgung nicht in den Hintergrund gedrängt werden. Administration soll Leistung unterstützen, nicht dominieren. Eine medizinische Universität braucht eine fachlich glaubwürdige, exzellente und authentische Führung. Junge Menschen folgen Vorbildern und Visionen und nicht einer perfekten Verwaltung.

Apropos junge Menschen, wie sehen Sie die Rolle des Nachwuchses?

Grimm: Zentral. Junge, hochmotivierte Leute erbringen an der Universität den Großteil der Leistung. Sie brauchen gute Rahmenbedingungen, Perspektiven und Visionen – nicht nur Impact-Punkte.

Labi: Ich denke, im Senat ist es wichtig, zuzuhören und Mitsprache zu ermöglichen. Der Senat ist das Sprachrohr verschiedener Gruppen. Denken wir an die Rolle der Studierenden, die zentral ist in der Lehre. Über die Curricularkommission stellt der Senat die Weichen, um Studien für zukünftige Herausforderungen fit zu machen.

In welchem Verhältnis stehen Senat und Rektorat?

Grimm: Der Senat hat vermittelnde und regulierende Aufgaben, wenn es um die Ziele des Rektorats geht. Beide Gremien müssen ein Umfeld schaffen, in dem Menschen gerne arbeiten. Visionen müssen groß bleiben, wir sollten vermeiden, dass am Ende nur der kleinste gemeinsame Nenner bleibt.

Labi: Der Senat ist eine Plattform, auf der wissenschaftliches Personal, Studierende und administratives Personal strukturiert miteinander ins Gespräch kommen. Wir führen sachliche, emotionsarme Debatten, um zu tragfähigen Lösungen zu kommen. Es geht darum, ein Klima der Wertschätzung zu schaffen. Die strategischen Ziele des Rektorats werden unterstützt, aber auch kritisch hinterfragt. Das Feedback aus der Basis sollte im Rektorat Gehör finden.

Wo sehen Sie die Stärken der Medizinischen Universität Innsbruck?

Labi: Ich selbst komme aus der Grundlagenforschung und schätze am Standort die Nähe von Klinik und Forschung. Von meinem Labor am Biozentrum bin ich in wenigen Minuten an der Klinik, man kommt leicht ins Gespräch. Wir begegnen uns hier auf Augenhöhe.

Grimm: Medizinische Forschung muss am Ende die Behandlung der Patientinnen und Patienten verbessern, das betone ich vor allem auch als langjähriger Herzchirurg. Translationale Medizin funktioniert in Innsbruck, weil es einen geerdeten, pragmatischen Zugang und kurze Wege zwischen Labor und Krankenbett gibt. Diese überschaubare Größe, die direkte Kommunikation, der Zusammenhalt in einer ‚ausgesetzten‘ Region – das macht effizient und schlagkräftig. Dieses Potenzial müssen wir weiter stärken.

Das Gespräch führte Doris Heidegger.

(5.1.2026, Bild: MUI/D. Bullock)

 

Links:

Senat
Zur Person Michael Grimm
Zur Person Verena Labi

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