Wissenschaftspreis der Brigitta Zollner-Stiftung für Christine Brunner
Viele gynäkologische Krebsarten lassen sich heute wirksam behandeln. Das Auftreten von Nebenwirkungen ist allerdings oft die Kehrseite von Chemo- und Immuntherapien. Die Gynäkologin Christine Brunner hat sich dem Nebenwirkungsmanagement verschrieben und wurde nun für eine Forschungsarbeit zu diesem Thema mit dem Wissenschaftspreis der Brigitta Zollner-Stiftung ausgezeichnet.
Der seit 2022 für „herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Frauenheilkunde und der damit zusammenhängenden Onkologie unter besonderer Berücksichtigung genderspezifischer Aspekte“ vergebene Preis wurde im Rahmen einer festlichen Feierstunde am 5. Februar 2025 bereits zum zweiten Mal vergeben. Die glückliche Gewinnerin Christine Brunner nahm den Preis von Vizerektorin Christine Bandtlow und Preisstifterin Brigitta Zollner entgegen. Christian Marth, Direktor der Univ.-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, hob in seiner Laudatio die Zielstrebigkeit und Energie der Preisträgerin hervor.
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie bitte Christine Brunner
Ihre Energie für die Wissenschaft nimmt Christine Brunner, die als Landesangestellte eigentlich nicht verpflichtend forschen müsste, aus der Arbeit mit den Patientinnen. „Die Probleme der Krebspatientinnen erlebe ich ja direkt, das weckt meinen Forschergeist, dann versuche ich, Lösungen zu finden und überlege mir ein Studiendesign. Ich bin kein Labormensch“, erzählt die gebürtige Südtirolerin. Es sind vor allem Lösungen, die dem Abbruch von Krebstherapien entgegenwirken sollen, an denen Brunner interessiert ist. „Ohne Nebenwirkungsmanagement werden Therapien oft frühzeitig beendet. Die Patientinnen von heute sind großteils sehr gut informiert und möchten bei Therapieentscheidungen eingebunden werden. Aus Angst vor Nebenwirkungen kann es auch sein, dass sie sich gegen eine Therapie entscheiden. Das wollen wir verhindern, indem wir Aufklärung und neue Ansätze anbieten“, so Brunner, die neben Innsbruck auch an der Universität in Freiburg Medizin studiert hat. Seit 2009 ist sie an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe als Ärztin tätig und schätzt es „im größten Brustgesundheitszentrum Westösterreichs über einen großen Patientinnen- und Datenschatz zu verfügen – ideale Voraussetzungen für Studien, die auch während der Corona-Pandemie stets weitergeführt wurden. „Die weiterhin optimale Versorgung der Patientinnen als auch das Fortführen der Studien während der Pandemie war für meinem Chef Christian Marth immer ein besonderes Anliegen“, so Brunner.
Diesen wertvollen Datenschatz machte sich Christine Brunner auch in der nun mit dem Brigitta-Zollner Wissenschaftspreis ausgezeichneten CROPSI-Studie zunutze. In dieser Studie, stehen Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathien (CIPN) im Fokus. „Im Laufe der taxanhaltigen Chemotherapie kommt es bei den Patientinnen meist zu einer Neuropathie 2. Grades, d.h., es sind bleibende Schäden zu erwarten, die Sensibilität an Fingern und Füßen sowie die Feinmotorik ist gestört“, erklärt Brunner. Laut Literatur treten diese Nebenwirkungen bei taxanhaltigen Chemotherapien bei bis zu 80 Prozent der Patientinnen auf. Brunner und ihr Team untersuchten nun, ob die Kryokompression (eine Kombination aus Kälte und Druck) bei Patientinnen mit Chemotherapie-bedingter Nervenschädigung wirksamer ist, als die herkömmliche Kryotherapie (nur Kälte). Die Studie lief von Mai 2020 bis Januar 2023 und umfasste 200 Patientinnen mit gynäkologischer Krebsdiagnose, die eine Chemotherapie erhielten.
„Wir führten Temperaturmessungen, zwei Fragebögen und neurologische Tests während der Chemotherapie sowie Nachuntersuchungen nach Abschluss der Therapie durch. Beim Effekt der beiden Maßnahmen konnten wir keinen Unterschied feststellen. Sowohl die Kühlung allein als auch die Kühlung plus Kompression in Form von eng anliegenden OP-Handschuhen zeigte Wirkung, indem sie zur Verengung der Gefäße führen und das Chemotherapeutikum dadurch nicht in die Finger oder Zehen gelangt“, beschreibt Brunner die zentrale Erkenntnis. Zwar konnte nicht gezeigt werden, dass Kompression und Kühlung der alleinigen Kühlung überlegen waren, im Vergleich zur Literatur können jedoch beide Methoden das Auftreten von Polyneuropathien verringern. Die Wirksamkeit beider Methoden ist damit bestätigt, der zugrundeliegende Pathomechanismus aber noch nicht ganz geklärt. Mit den Ergebnissen der CROPSI-Studie könne es allerdings gelingen, die Therapietreue der Patientinnen zu erhöhen, da Nebenwirkungen verringert oder sogar vermieden werden können.
Das Interesse für die Medizin wurde bei Christine Brunner aufgrund eines Todesfalls in der Familie schon im jungen Alter entfacht, heute steht vor allem die Frauengesundheit im Zentrum. „An der Gynäkologie gefällt mir, dass wir Frauen in jedem Lebensabschnitt und sowohl in Krankheit, als auch gesund im Rahmen der Prävention betreuen können. Auch in der Onkologie ist es heute so, dass wir viele Frauen erfolgreich behandeln können, die Heilungsrate beim Mammakarzinom etwa beträgt 80 Prozent. Gerade weil Krebspatientinnen die Nebenwirkungen der Therapie erleben, ist es wichtig, Nebenwirkungen in den Griff zu bekommen“, so die Preisträgerin.
(02.04. 2025, Text: D. Heidegger, Foto: D. Bullock)
Links:
Cropsi study: Efficacy and safety of cryotherapy and cryocompression in the prevention of chemotherapy-induced peripheral neuropathy in patients with breast and gynecological cancer–A prospective, randomized trial. C. Brunner et al.
https://doi.org/10.1016/j.breast.2024.103763
Preis der Brigitta Zollner Stiftung