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Gesundheit von Menschen mit Behinderung: Eine diversitätssensible Perspektive Teil 3

Leitung und Konzeption: Univ.-Prof.in Dr.in Sabine Ludwig, MSc, MA

Wintersemester 2026/2027
LV-Nummer: 170.070

jeweils donnerstags 18.30h-20.00h in Präsenz und online

Ort: Audimax, Erdgeschoß, Fritz-Pregl-Straße 3, A-6020 Innsbruck
Der Veranstaltungsort ist barrierefrei.

Für Personen, die nicht persönlich dabei sein können, ist eine Teilnahme per Livestream möglich. Alle Veranstaltungen werden in Österreichischer Gebärdensprache gedolmetscht. Für die Teilnahme an den Veranstaltungen werden keine Vorkenntnisse vorausgesetzt.


Bei Interesse an Schriftdolmetschung nehmen Sie bitte mindestens 2 Wochen vor dem gewünschten Vorlesungstermin Kontakt auf mit barbara.sauer-oberlechner@i-med.ac.at


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Do 8.10.2026, 18.30-20.00 Uhr

Multiple Sklerose im Lebensverlauf: Geschlecht, Lebensphasen und Behinderung, MS und Gendermedizin

Dr.in Franziska Di Pauli, PhD, Oberärztin an der Universitätsklinik für Neurologie, Abteilung Neuroimmunologie und MS, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

Multiple Sklerose beginnt häufig in einer Lebensphase, in der Ausbildung, Beruf, Partnerschaft und Familienplanung besonders prägend sind. Der Vortrag beleuchtet, wie Geschlecht, hormonelle Lebensphasen, Familienplanung, Alter und soziale Rahmenbedingungen den Krankheitsverlauf sowie den Zugang zu Behandlung und Teilhabe beeinflussen können. Anhand aktueller Studien und klinischer Beispiele wird gezeigt, wie moderne Therapien, individuelle Beratung und interdisziplinäre Unterstützung dazu beitragen, Lebensqualität, Selbstständigkeit und berufliche wie soziale Teilhabe von Menschen mit Multipler Sklerose langfristig zu sichern.

Zum Live-Stream / zur Nachschau


Do 15.10.2026, 18.30-20.00 Uhr

Kommunikation mit Menschen mit Behinderung

Univ.-Prof.in Dr.in Sabine Ludwig, MSc, MA, Professorin für Diversität in der Medizin, Direktorin Institut für Diversität in der Medizin, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich, Gründerin Women in Global Health Germany, Mitglied Women in Global Health Austria

Menschen mit Behinderung versterben rund 20 Jahre früher als Menschen ohne Behinderung und haben ein höheres Risiko für chronische Erkrankungen wie Diabetes, Schlaganfall oder Depressionen. Dies zeigt ein aktueller Bericht der Weltgesundheitsorganisation. Für eine chancengerechte und diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung ist daher Wissen zur Kommunikation mit Menschen mit Behinderung notwendig. In der Veranstaltung werden hierfür Beispiele gegeben und Empfehlungen diskutiert, dabei wird auch der Einsatz neuer Technologien besprochen. Schließlich wird ein Ausblick gegeben.


Do 22.10.2026, 18.30-20.00 Uhr

Aufwind und Gesundheit für Alle: Initiativen zu mehr Barrierefreiheit und Inklusion an den Tirol Kliniken

Mag.a Karin Flatz, Mag.a Christina Mair-Tilzer, Tirol Kliniken und Inklusion: Projektleitung Gesundheit für Alle, Initiative aufwind, Tirol Kliniken GmbH, Innsbruck, Österreich

Barrierefreie und inklusive Gesundheitseinrichtungen sind eine wichtige Voraussetzung für eine inklusive und barrierefreie Gesundheitsversorgung. So werden gesundheitliche Chancengerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. In dieser Vorlesung werden aktuelle Maßnahmen und Entwicklungen zur Förderung von Barrierefreiheit und Inklusion an den Tirol Kliniken vorgestellt. Die Initiative aufwind unterstützt Mitarbeiter:innen mit Behinderungen und setzt sich für deren gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben ein. Gesundheit für Alle, sucht nach Lösungen für einen barrierefreien Zugang zu Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderungen und berät und unterstützt Mitarbeiter:innen bei der Umsetzung. Anhand von Praxisbeispielen werden Herausforderungen, erfolgreiche Ansätze und zukünftige Perspektiven diskutiert.


Do 5.11.2026, 18.30-20.00 Uhr

Menschen mit Behinderung und Partnerschaft

Oberrat Mag. Harald Hörmann, Universitätsklinik für Psychiatrie II, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

Sabine Müller, diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester

Die jeweilige Lebenssituation kann ein erfüllendes Beziehungserleben maßgeblich beeinflussen. Dabei werden unter anderem aus der Perspektive einer Krankenschwester am Beispiel einer Querschnittslähmung eigene Erfahrungen mit Partnerschaften dargestellt. Des Weiteren wird beleuchtet inwiefern Dating-Plattformen Möglichkeiten bieten, Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufzubauen und welche Rolle dabei eine Behinderung unter anderem beim ersten Kontakt spielen kann.


Do 12.11.2026, 18.30-20.00 Uhr

Strukturelle Barrieren in der Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderung

Elisabeth Haas, BA, MA
Institut für Bildungswissenschaft, Universität Wien, Wien, Österreich

Im klinischen Alltag lassen sich häufig Diskrepanzen zwischen den Anforderungen der Organisation Krankenhaus und den individuellen Bedürfnissen von Patient*innen mit (kognitiver) Behinderung beobachten. Insbesondere Schwierigkeiten im Bereich der Eigenanamnese und verbalen Kommunikation können dabei zu Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung führen. Der Vortrag gibt Einblick in die bestehenden strukturellen Barrieren und deren Wechselwirkungen.


Do 19.11.2026, 18.30-20.00 Uhr

Naturheilkundliche Ansätze und Aspekte der Geschlechteridentität

Dr.in phil. Rosina Sonnenschmidt, Heilpraktikerin, Autorin, Ehrenmitglied der Japanischen Kaiserlichen Homöopathie- und Medizingesellschaft (JPHMA)

Aus Erfahrung durch Feldforschungsarbeiten in Nordindien und durch 30 Jahre ganzheitliche Behandlung von Menschen, bin ich im individuellen wie auch kollektiven Sinne mit Geschlechteraspekten in der naturheilkundlichen Versorgung vertraut. Im Vortrag wird unter anderem die pränatale Festlegung des Genus besprochen und dabei der Nieren-Funktionskreis erklärt, die Auswirkung des Bor-Mangels sowohl pränatal als auch durch Mikrowellenbelastung. Des Weiteren wird die postnatale Geschlechteridentität in ihrer Kreativität erläutert und dabei der Milz-Pankreas-Funktionskreis besprochen. Schließlich folgen einige bewährte Naturheilmittel und Übungen.


Do 26.11.2026, 18.30-20.00 Uhr

Sexualisierte und ableistische Gewalt bei Frauen* mit Behinderung

Jennifer Birke, PhD, Institut für Diversität in der Medizin, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

Frauen* mit Behinderungen erleben deutlich häufiger Gewalt als Frauen* ohne Behinderungen; Studien sprechen von einem zwei- bis fünffach erhöhten Risiko. Besonders relevant sind sexualisierte und ableistische Gewaltformen, die an Geschlecht und Behinderung zugleich anknüpfen. Frauen* mit Behinderungen werden häufig entmündigt, sexualisiert oder in ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt. Im Vergleich zu Männern mit Behinderungen sind sie zudem mit spezifischen geschlechtsspezifischen Risiken und Barrieren konfrontiert. Der Vortrag beleuchtet Formen, Ursachen und Folgen dieser Gewalt sowie zentrale Implikationen für Prävention, Schutz und Unterstützung.


Do 3.12.2026, 18.30-20.00 Uhr

The health of neurodivergent people: a sex/gender and diversity perspective (English) online

Maëva Roulin, Psychologin, GENEPSY Savoie – Business Corner, Challes-les-Eaux, Frankreich

The health of neurodivergent people is shaped by varied life trajectories, social contexts and experiences of care. This lecture will explore how sex, gender and further diversity dimensions can influence the identification of difficulties, the diagnostic process, access to care and coping strategies. Focusing primarily on autism and ADHD in adulthood, several key considerations will be identified to bear in mind for a more individualised and context-sensitive clinical practice.


Do 10.12.2026, 18.30-20.00 Uhr

Erfahrungen und Bedarfe von Frauen mit Behinderung in der Gesundheitsversorgung*

Magda Leitner, Projektmanagerin beim FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen, Co-Leitung AG Gesundheit & Gender Medizin, Wien, Österreich

Frauen* mit Behinderungen erleben im Gesundheitssystem häufig das Zusammenwirken von Ableismus und Sexismus. Barrieren, stereotype Vorstellungen, Medical Gaslighting und fehlende Sensibilisierung können den Zugang zu einer bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung erschweren und die Selbstbestimmung von Patientinnen* negieren. Ausgehend von der Arbeit von FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen – beleuchtet der Vortrag aus einer feministischen, anti-ableistischen und intersektionalen Perspektive Erfahrungen und strukturelle Herausforderungen von Frauen* mit Behinderungen in der Gesundheitsversorgung. Im Mittelpunkt stehen ihre Stimmen und ihr Erfahrungswissen sowie konkrete Bedarfe an eine inklusive, geschlechtersensible und diskriminierungsfreie medizinische Versorgung. Abschließend werden Möglichkeiten für Empowerment, Sensibilisierung und strukturelle Veränderungen diskutiert.


Do 17.12.2026, 18.30-20.00 Uhr

Von der Behindertenbewegung zu den Disability Studies: Körper und Geschlecht im Diskurs

Univ.-Prof.in Dr.in Lisa Pfahl, Univ.-Prof für Erziehungswissenschaft, Disability Studies & Inklusive Bildung, Leopold Franzens Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

Die Disability Studies haben ihren Ursprung in den emanzipatorischen Behindertenbewegungen, die sich gegen Bevormundung und Benachteiligung zur Wehr setzten. Im Bündnis mit den Sozialwissenschaften wurde das konflikttheoretisch fundierte soziale Modell von Behinderung entwickelt, das Beeinträchtigung (impairment) von Behinderung (disability) abgrenzt und damit eine Analyse der gesellschaftlichen Konstruktion von Behinderung ermöglicht. Als Wegbereiter des behindertenpolitischen Paradigmenwechsels von der Fürsorge zur Teilhabe gestalten die Disability Studies auch einen Perspektivenwechsel in der Forschung mit. Der Anspruch auf gleichberechtigten Zugang zu Information, Wissen und Gesundheit verändert die Aufgaben von Menschen mit Behinderungen in der Wissenschaft. Sie werden nicht mehr als Objekte der Forschung gefasst, sondern als selbstbestimmte Subjekte (subject of rights). Dieser menschenrechtlich fundierte Ansatz zielt auf eine Neufassung der Ansprüche von Menschen mit Behinderungen und ihrer sozialen und politischen Teilhabe im Sinne gesellschaftlicher Inklusion; zugleich birgt der Ansatz Konflikte um die Freiheit und Würde aller Menschen, die im Vortrag diskutiert werden.


Do 7.1.2027, 18.30-20.00 Uhr

(Internationale) Beispiele für barrierefreien Zugang zur Gesundheitsversorgung und inklusives Krisen- und Katastrophenmanagement

DI Martin Morandell, Prof.in (FH) Mag.a Dr.in Ursula Costa, Institut für Innovation, Nachhaltigkeit & Transformation im Gesundheits- und Sozialwesen (InnTra), fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH, Innsbruck, Österreich

Barrierefreiheit im Zugang zu Gesundheitsversorgung und damit Bedachtnahme auf alle Menschen zählt zu den Voraussetzungen für eine resiliente Zivilgesellschaft.
Gerade im Kontext von Krisen und Katastrophen braucht es angesichts unterschiedlicher Vulnerabilitäten auch im Gesundheitswesen Rücksicht und vorausschauende Planung. Basierend auf Resilienzkapazitäten und ausgewählten (internationalen) Beispielen zeigen wir Handlungsansätze und -implikationen chancengerechter, salutogener Gestaltung von Umwelten, Prozessen und Lösungen auf.


Do 14.1.2027, 18.30-20.00 Uhr

Anwältin für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen – Unterstützung bei Diskriminierungserfahrungen

Mag.a Christine Steger, Anwaltschaft für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen – Behindertenanwaltschaft

Im Rahmen Ihres Vortrags wird die Anwältin für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen, Frau Mag.a Christine Steger, einen Einblick in ihre Arbeit geben. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungen mit Diskriminierung und die Frage, welche Möglichkeiten Menschen mit Behinderungen haben, dagegen vorzugehen. Anhand von Beispielen aus der Praxis wird gezeigt, wie diese Unterstützung und die rechtlichen Möglichkeiten konkret aussehen und welchen Beitrag die Behindertenanwältin und das Instrument der Schlichtung zu mehr Gleichbehandlung und Teilhabe leisten können.


Do 21.1.2027, 18.30-20.00 Uhr

Gehörlose und hörbeeinträchtigte Menschen im Krankenhaus: Was eine gute und sichere Versorgung braucht. Erkenntnisse aus Evaluation und Praxis der Gehörlosenkoordination

Gilles Bernard, BSc, MA, Tirol Institut für Qualität im Gesundheitswesen, fhg –  Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH, Innsbruck, Österreich

Tanja Plangger, die Gehörlosenkoordinatorin, Tirol Kliniken GmbH

Gehörlose und hörbeeinträchtigte Menschen stoßen im Krankenhaus auf kommunikative und organisatorische Barrieren, die Versorgungsqualität und Patient:innensicherheit beeinträchtigen können. Der Vortrag stellt die Evaluation der Gehörlosenkoordination am LKH-Innsbruck sowie deren Nutzen für Patient:innen, Mitarbeitende und klinische Abläufe vor. Im Mittelpunkt stehen barrierefreie Kommunikation, Prozessqualität und Chancengerechtigkeit. Ergänzend gibt die derzeitige Gehörlosenkoordinatorin Einblicke in die praktische Arbeit und zeigt notwendige Weiterentwicklungen auf.


Do 28.1.2027, 18.30-20.00 Uhr

Emotionen, Macht und Partizipation in der Kinder- und Jugendhilfe: Impulse für eine diversitätssensible Professionsentwicklung

David Furtschegger, PhD, Institut für Diversität in der Medizin, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

Die Kinder- und Jugendhilfe hat den Auftrag, die psychische und physische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in sozialen Problemlagen bestmöglich zu fördern und sie an der Gestaltung entsprechender Unterstützungsleistungen zu beteiligen. Der Vortrag argumentiert auf Basis eines europaweiten Forschungsprojekts, dass die Erreichung dieses Ziels durch einseitige Machtbeziehungen und daraus entstehende emotionale Teilhabebarrieren erschwert wird. Daran anschließend werden einige Faktoren für eine Professionsentwicklung skizziert, die verschiedene Formen von Ungleichheiten stärker berücksichtigt und dadurch demokratischere und effektivere Hilfesysteme ermöglichen könnte.