Innsbrucker Virologin Gisa Gerold leitet millionenschweres EU-Projekt zu Chikungunya-Impfstoff

Das Chikungunya-Fieber, eine von der Asiatischen Tigermücke übertragene schmerzhafte Virus-Erkrankung wurde in Österreich bislang nur durch importierte Reisefälle registriert. Mit der durch den Klimawandel bedingten Ausbreitung der Tigermücke gibt es aber auch in Europa seit 2007 lokale Ausbrüche. Ein kürzlich gestartetes und von der Med Uni Innsbruck koordiniertes EU-Projekt untersucht nun Sicherheit und Wirksamkeit eines in Europa bereits zugelassenen Impfstoffs in Afrika. Die Studienergebnisse werden auch für Personen in Europa von Bedeutung sein.
„Das Chikungunya-Virus ist ein klassisches zoonotisches Virus, das in Afrika in Affen vorkommt und durch Mücken von den Affen auf den Menschen übertragen wird. Das Virus kann durch Stechmücken von Mensch zu Mensch übertragen werden. Eine direkte Ansteckung des Chikungunya-Fiebers von Mensch zu Mensch ist jedoch nicht möglich. Doch die klimabedingte Erwärmung sorgt auch in unseren Breiten für eine Zunahme der Asiatischen Tigermücke und erhöht damit das Risiko lokaler Ausbrüche und steigender Infektionszahlen“, weiß Gisa Gerold, Direktorin des Instituts für Virologie an der Medizinischen Universität Innsbruck.
Seit dem 1. Mai leitet die Virologin das im Rahmen des Horizon-Europe-Programms EDCTP (European and Developing Countries Clinical Trials Partnership) mit knapp 14 Millionen Euro geförderte Forschungsprojekt „European-African Vaccine Initiative“, kurz EAVI. In den kommenden fünf Jahren werden europäische und afrikanische Partner darin zusammenarbeiten, um Chikungunya- und andere Infektionskrankheiten zu bekämpfen.
Das Chikungunya-Virus – der Name stammt aus einer ostafrikanischen Stammessprache und bedeutet so viel wie „gebückt gehen und sich krümmen“ – verursacht starke Gelenk- und Muskelschmerzen, die Monate oder sogar jahrelang anhalten können. 2025 wurden weltweit rund eine halbe Million Fälle, darunter über Tausend in Europa registriert. Der erste, durch eingeschleppte Mücken lokal übertragene Chikungunya-Ausbruch in Europa ereignete sich 2007 in Norditalien.
Impfstoff-Sicherheit im Fokus
„Es besteht ein dringender Bedarf, Impfstoffe gegen die Chikungunya-Infektion in den betroffenen Bevölkerungsgruppen in Subsahara-Afrika zu testen, zuzulassen und zu verteilen“, betont Gerold. Im Rahmen des von ihr koordinierten Projekts arbeitet ein Konsortium aus sieben Partnerinstitutionen in Kenia (Kenya Medical Research Institute), Tansania (Ifakara Health Institute), der Schweiz (EPFL, Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne), Schweden (Karolinska Institut), Spanien (Universität Carlos III) und dem Impfstoffunternehmen Valneva Austria (Impfstoff IXCHIQ®) zusammen und vereint damit die multidisziplinäre Expertise von Kliniker:inen, Statistiker:innen, Epidemiolog:innen, Immunolog:innen, Virolog:innen und Impfstoffherstellern. Mit Whitney Weber konnte zudem eine erfahrene Wissenschafterin der Stanford University rekrutiert werden, um die Innsbrucker Forschung zu unterstützen.
In einer klinischen Phase-IIIb-Studie wird der Impfstoff nun erstmals auch in jenen Ländern getestet, in denen das Chikungunya-Virus bereits seit langem vorkommt. „Paradoxerweise ist der Impfstoff gerade in Afrika, wo das Virus zirkuliert und wiederholt zu Ausbrüchen führt, noch nicht lizensiert. Wir möchten erreichen, dass im Falle eines großen Ausbruchs in Afrika so schnell wie möglich eine Impfkampagne erfolgen kann“, betont Gerold.
Um das volle Potenzial der Studie ausschöpfen zu können, werden zudem Technologien zur Charakterisierung der Immunantworten eingesetzt und etwa generierte Antikörper und mögliche Kreuzreaktionen mit verwandten Alphaviren mittels Elektronenmikroskopie analysiert. So lässt sich abschätzen, ob der Impfstoff auch gegen andere Alphaviren einsetzbar wäre.
Know-How-Transfer und Studierendenaustausch
Neben der klinischen Studie ist außerdem ein aktiver Technologietransfer zwischen Europa und Afrika vorgesehen, um die Impfstoffproduktion langfristig und zu einem leistbaren Preis vor Ort zu sichern. Zur Erfassung der Dunkelziffer, Verbesserung der Diagnostik – u. a. die Abgrenzung zum eng verwandten O’nyong’nyong-Virus (ONNV) – werden im Rahmen einer weiteren Kohortenstudie Mückenpopulationen in Kenia und Tansania gesammelt und auf ihre Viruslast untersucht.
Im Rahmen des EU-Projekts erhalten junge Forschende beider Kontinente außerdem die Möglichkeit, in den jeweiligen Partnerlabors zu arbeiten.
Bereits Ende Juni dieses Jahres kommt das gesamte Konsortium zum Kick-off Meeting in Innsbruck zusammen.
Weitere Informationen zum Chikungunya-Virus, seine Ausbreitung und sein Gefahrenpotential gibt Gisa Gerold im neuen Medizin Uni Innsbruck Podcast „Frag die Medizin“ – zu finden auf allen gängigen Podcast-Plattformen. Weitere Informationen: https://www.i-med.ac.at/de/frag-die-medizin/
(02. Juni 2026, Text: D. Heidegger, Foto: MUI/F. Lechner)
Weiterführende Links:
Expertin Gisa Gerold
EAVI
European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP)